Luxuriöse Zukunftsaussichten

Luxuriöse Zukunftsaussichten

Mercedes hat das teuerste Auto der Welt verkauft und seine Strategie nachgeschärft, Tesla setzt auf Twitter-Bots und wir grübeln in nichtöffentlicher Sitzung über die weiteren Nachrichten der Woche.

Wir hatten an dieser Stelle letzthin festgestellt, dass die deutschen Premium-Hersteller sich in Sachen Autos und Kunden nach oben und gleichzeitig örtlich weiter weg (von der Heimat) orientieren. Unabhängig davon, wo die Menschen wohnen, die in Zukunft so ein Fahrzeug fahren werden, wäre es jedenfalls schön, wenn sie reichlich Geld ausgeben könnten. Mercedes zum Beispiel hat jetzt eine neue Strategie festgelegt, und die setzt auf Wachstum vor allem im teuersten Segment. Geld ist ja genügend da bei den Reichen, Luxus ist überhaupt in und da muss man als die deutsche Marke natürlich schon mitspielen. 

Teurer Spaß

Nicht dass wir etwas dagegen hätten. Gerade im obersten Segment entstehen schon mal Traumautos, die ihre Nachhaltigkeit durch das bloße Überdauern beweisen. So wurde gerade das Uhlenhaut-Coupé versteigert. Als bei 135 Millionen Euro der Hammer fiel, hatte die Welt ein neues teuerstes Auto. Der Erlös geht in einen Fond für Bildungs- und Forschungseinrichtungen in Sachen Dekarbonisierung und damit nicht in den hauseigenen Forschungs- und Entwicklungsetat für die hochmotorisierten Traumautos von morgen. Immerhin 75 Prozent seines diesbezüglichen Budgets gibt Mercedes künftig für Autos im Luxusbereich aus. 

Rein betriebswirtschaftlich gedacht völlig logisch, schließlich gehört auch nachhaltiges Erzeugen von ordentlichen Gewinnen zu einem guten Unternehmen. Und es nützt in diesem Sinne wohl eher wenig, wenn man für die Umwelt nachhaltige Kleinwagen baut, die dann keiner kauft. Zum Glück müssen wir derlei nur beobachten und nicht entscheiden. 

Der Tesla-Fan namens Bot

Beobachtet wird wohl auch unser alter Freund Elon wieder mal von der Börsenaufsicht. Es fiel wohl auf, dass der Kurs der Tesla-Aktie sich auch gerne bewegt, wenn bei Twitter viel über das Unternehmen gezwitschert wird. Und es fiel auf, dass dazu mitnichten nur Tesla-Fans ihren Beitrag leisten, sondern eben auch ganz viele Bots, die so tun, als wären sie Fans. 

Ein Trick, den hierzulande vor allem Verschwörungstheoretiker und Freunde sehr rechten Gedankenguts sowie notorische Putinversteher anwenden, um Themen zu setzen. Denen scheint sich Musk inzwischen auch verbunden zu fühlen. Derweil fängt er an, um Twitter zu feilschen und manipuliert allein damit schon wieder den Kurs des Unternehmens, das er selbst gerade kaufen will, um noch direkter mit seinen Fans zu kommunizieren. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Kurs der Tesla-Aktie fiel derweil von etwas über 1.000 Euro Ende April auf 666 Euro diese Woche. Gefiel wohl nicht allen, was die Nachrichten so brachten.

Autonomes Fahren Level 4 hat Chancen in der Zukunft

Apropos Nachrichten. Allen, die auch während der Fahrt das Lesen von News auf dem Smartphone nicht lassen können, sei hiermit für die Zukunft ein selbstfahrendes Auto empfohlen. Am Freitag hat der Bundesrat den Weg frei gemacht für den Einsatz von Level-4-Fahrzeugen, also solchen ohne Fahrer. Es ging zum Schluss wohl noch um Themen wie die Absicherung von Unfallstellen mit einem Warndreieck, die üblicherweise dem Fahrer obliegen, der aber nun mal nicht zugegen ist. Jedenfalls muss man als Nutzer eines autonomen Autos den Inhalt des Smartphones nicht mehr umständlich ins Display spiegeln, sondern kann gemütlich wie zu Hause seine Nachrichten lesen. 

Wobei, so ganz stimmt das nun auch wieder nicht. Zu Hause, so haben wir diese Woche erfahren, liest nämlich eine Mehrheit der Menschen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern und den USA die Smartphone-Nachrichten bei nichtöffentlichen Sitzungen auf der Toilette. Das dürfte auch in Zukunft in einem selbstfahrenden Auto eher schwierig werden. Andererseits konnten sich die Autofahrer vor 50 Jahren wahrscheinlich auch nicht vorstellen, dass dermaleinst so ein Fahrzeug mehr mit einer Kommunikationszentrale als mit Fortbewegung zu tun hat.

Und wenn der Markt in hoffentlich noch ferner Zukunft selbstfahrende Toiletten verlangt, wird sie schon jemand bauen, gerne und gerade auch im Luxus-Segment. Bei den deutschen Premium-Herstellern wird wahrscheinlich an einem stillen Örtchen schon dran gearbeitet. Sonst noch was? Nächste Woche wieder.  

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