Test: VW Taigo

Test: VW Taigo

Das SUV-Angebot wächst und wächst. Auch VW hat eine Lücke im Angebot identifiziert und füllt sie nun mit einem kleinen Crossover-Coupé. Der setzt vor allem auf eines.  

Im ausufernden SUV-Portfolio von VW nimmt der Taigo die Position des hübschen Einsteigermodells ein. Der Preis ist allerdings nur auf dem Papier günstig. In Wirklichkeit punktet der kleine Crossover eher mit bewährter Polo-Technik und flottem Coupé-Heck.

 

Test: VW Taigo
Der Taigo ist das neueste SUV von VW

Bedient sich an den anderen Modellen von VW

Glaubt man dem VW-Konfigurator, ist der Taigo mit einem Startpreis von 19.865 Euro die günstigste Wahl im mittlerweile neun Modelle umfassenden SUV-Angebot der Marke. Das gilt allerdings nur für die Einstiegsvariante. Je höher man die Ausstattungslinie wählt, desto mehr enteilt der Taigo dem technisch verwandten, etwas kürzeren T-Cross. Am Ende ist sogar der eine Klasse höher angesiedelte T-Roc in Reichweite. Das überrascht nicht, zählt der Taigo doch als Coupé-Crossover zu einer preislich und in Sachen Image traditionell etwas höher angesiedelten Karosserie-Klasse. Zudem überragt er mit 4,27 Metern Länge sowohl der T-Cross (4,11 Meter) als auch den T-Roc (4,23 Meter), bleibt aber deutlich unterhalb des Tiguan (4,49 Meter).  

Der Größenvorsprung setzt sich zwar nicht komplett in Raumgewinn um, für ein Crossover-Coupé ist der Taigo aber durchaus geräumig. Natürlich in Reihe eins, aber vor allem im Fond, wo es auch Großgewachsene gut aushalten. Zum einen passt das Platzangebot über dem Scheitel, zum anderen verjüngen sich die Fenster nicht wie bei vielen Konkurrenten zu schmalen Schießscharten, sondern bleiben trotz der abfallenden Dachlinie angenehm groß. Auch der Kofferraum leidet nur wenig unter der fließenden Form: Wer nicht über die Fensterkante hinaus lädt, bekommt deutlich mehr unter als in einem normalen Kleinwagen.

Stören mag man sich an der hohen Ladekante – die ist bei Crossovern aber konzeptbedingt. Davon abgesehen ist das Güter-Abteil durchdacht konstruiert, bietet mit Taschenhaken und Netzen für Kleinkram zudem ein paar praktische Extras.  

Touchflächen bleiben

Prinzipiell überzeugen kann auch der übersichtlich gestaltete Innenraum, der in seinen Grundzügen aus dem frisch gelifteten Polo stammt. Wie schon dort übertreibt es VW teilweise mit der Modernisierung. So sind die Tasten der Klimaanlage als berührungsempfindliche Bedienfelder ausgeführt, die vor allem bei der blinden Nutzung deutlich weniger gut funktionieren als klassische Taster. Gleiches gilt für die Bedienung des optionalen großen Infotainmentsystems. Bei den kleineren Varianten sind hingegen noch mehr Funktionstasten und Drehregler zu finden. Abstriche machen müssen Kunden zudem bei der Materialqualität im Innenraum. Die vielen harten Kunststoffoberflächen überzeugen angesichts des gehobenen Preisniveaus weder optisch noch haptisch.  

Test: VW Taigo
Das Cockpit stammt aus dem Polo

Auf der Straße gibt sich der VW ausgewogen, mit einem leicht angestrafften Fahrwerk. Kurven nimmt der hochbauende Crossover ohne große Karosserieneigungen, dafür nervt beim Bremsen und Anfahren das deutliche Nicken des Aufbaus, zumindest in Verbindung mit dem stärksten 1,5-Liter-Benziner (110 kW/150 PS). Dann neigt sich der Taigo schon beim moderaten Tritt aufs Gas beim Start so weit nach hinten, dass die Vorderräder über den Asphalt rubbeln. Selbst auf trockener Straße ist man so immer nur ein paar Millimeter Pedalweg vom unbeabsichtigten Kavalierstart entfernt.

Wahrscheinlich fällt dieser Effekt bei den schwächeren1,0-Liter-Benzinern (70 kW/95 PS und 81 kW/110 PS) weniger stark aus. Generell ist das Vierzylinder-Top-Triebwerk in dem kleinen Crossover zwar souverän und spritzig – wer aber vor allem in der Stadt unterwegs ist, sollte aber auch mit den Dreizylindern ausreichend bedient sein. Die dürften auch ein paar Zehntelliter weniger Sprit verbrauchen. Wobei der 1,5-Liter-Motor mit durchschnittlich 6,5 Litern alles andere als ein Säufer ist. Wer mit Bedacht fährt, erreicht auch eine 5 vor dem Komma.  

Wenig Auto für wenig Geld

Wer beim Motor spart, kann das Geld aber an anderer Stelle sinnvoll ausgeben. Denn wie angedeutet ist der Taigo kein Sparmodell. Die Einstiegsvariante ist einzig in Verbindung mit dem kleinsten Motor zu haben und übt vor allem beim Design Zurückhaltung, rollt auf kleinen Stahlrädern und verzichtet weitgehend auf Karosserie- und Cockpit-Zier. Wer das Hingucker-Potenzial des Coupés zumindest ein wenig freisetzen möchte, muss daher mindestens zum „Life“-Modell für 23.050 Euro greifen. Richtig schick wird der Crossover aber erst in der 27.385 Euro teuren „Style“- oder der 28.260 Euro teuren „R-Line“-Ausstattung. In allen Fällen bildet der stärkere der beiden Dreizylinder die Basis-Motorisierung. Wer den im Testwagen montierten 1,5-Liter-Motore will, zahlt mindestens 31.210 Euro („Style“).  

Am Ende ist die Lücke im VW-Modellprogramm, in die der Taigo passt, gar nicht so besonders groß. Wer aber Gefallen an der coupéhaften Optik findet und sich an den etwas größeren Abmessungen nicht stört, findet in ihm eine interessante Alternative nicht nur zum Schwestermodell T-Cross. Ist das Coupé-Heck verzichtbar, lohnt ein Blick auf T-Roc oder auch einen klassischen Golf oder Polo.  

Technische Daten  

Fünftüriges, fünfsitziges Crossover-Coupé, Länge: 4,27 Meter, Breite: 1,76 Meter, Höhe: 1,52 Meter, Radstand: 2,56 Meter, Kofferraumvolumen: 455 – 1.281 Liter 

1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 250 Nm von 1.500 – 3.500 U/min, 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 212 km/h, Durchschnittsverbrauch (WLTP-Zyklus): 6,1 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 138 g/km, Effizienzklasse: B, Testverbrauch: 6,5 Liter/100 Kilometer, Preis: ab 31.210 Euro.  

Kurzcharakteristik  

Warum: schnittiges Heck trifft auf gutes Raumangebot 

Warum nicht: einfaches Interieur, Traktionsprobleme mit dem großen Benziner  

Was sonst: Ford Puma, Nissan Juke, Renault Captur 

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