Mercedes VLE: Allrad-Topmodell kommt, Einstiegspreis fällt um über 11.500 Euro
Mercedes-Benz erweitert die Bestellliste des elektrischen V-Klasse-Nachfolgers VLE um das 422 PS starke Allradmodell VLE 400 4MATIC. Gleichzeitig wird der Einstieg in den VLE 300 deutlich günstiger.

Wer einen großen Elektro-Van bestellen will, hat beim Mercedes VLE ab jetzt zwei neue Gründe zum Nachrechnen. Erstens gibt es mit dem VLE 400 4MATIC ein allradgetriebenes Topmodell mit 310 kW (422 PS). Zweitens sinkt der Einstiegspreis des schwächeren VLE 300 als Fünfsitzer auf 70.735 Euro brutto – zuvor war das Modell nicht unter 82.260 Euro brutto zu haben. Der niedrigere Preis kommt nicht aus einer Rabattaktion, sondern aus einer umgebauten Ausstattungsstruktur.
Der VLE ist der Nachfolger von V-Klasse und EQV und steht auf der neuen, speziell für Vans entwickelten VAN.EA-Plattform von Mercedes-Benz. Für Kaufinteressenten heißt das: Die Baureihe ist neu, nicht eine überarbeitete Version des bisherigen Elektro-Vans. Für die Kaufentscheidung fehlen allerdings noch zentrale Angaben: Zu den Ladeleistungen und zum Auslieferungstermin liegen uns keine bestätigten Informationen vor.
VLE 400 4MATIC: 2,5 Tonnen Anhängelast und Allradantrieb

Ziehen darf das neue Topmodell bis zu 2,5 Tonnen – für einen Van, der Wohnwagen oder Pferdeanhänger bewegen soll, ist das die relevantere Zahl als jeder Beschleunigungswert. Dazu kommt Allradantrieb, der beim Anfahren mit Anhänger und auf nassen oder verschneiten Straßen hilft. Technisch entsteht er über einen zusätzlichen Elektromotor an der Hinterachse. Die Systemleistung liegt bei 310 kW (422 PS), die Batterie hat 115 kWh Kapazität, aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt der Van in 6,5 Sekunden.
Die WLTP-Reichweite gibt Mercedes-Benz mit bis zu 654 Kilometern an. Diesen Wert sollte man als Herstellerangabe unter Bestbedingungen lesen. Wie viel davon im Alltag mit Zuladung, Anhänger, Autobahntempo und Winter übrig bleibt, lässt sich erst mit unabhängigen Messwerten sagen. Auch die Frage, wie stark der zweite Motor die Reichweite gegenüber der Heckantriebsversion drückt, ist bislang offen.
Warum der VLE 300 günstiger wird
Der Preisrutsch beim VLE 300 mit 203 kW (276 PS) hat zwei Ursachen. Mercedes-Benz führt ein neues „Advanced-Paket“ ein, und mehrere Sonderausstattungen, die bisher zwingend mitbestellt werden mussten, entfallen als Pflichtumfang. Zum Advanced-Paket gehören unter anderem schwarz glanzgedrehte Leichtmetallräder im 19-Zoll-Format und abgedunkelte Heckscheiben. Welche weiteren Inhalte das Paket umfasst und welche Optionen genau aus der Pflichtliste gefallen sind, hat der Hersteller bislang nicht im Detail aufgeschlüsselt.
Für Käufer ist das grundsätzlich positiv: Der Einstieg wird billiger. Wer die früher verpflichtenden Extras möchte, zahlt sie nun einzeln. Ein Preisvergleich lohnt sich also erst, wenn die eigene Wunschliste konfiguriert ist. Ein Unterschied von über 11.500 Euro ist für eine reine Umstellung der Optionsstruktur auffällig hoch – nach unserer Einschätzung lässt sich das auch so lesen, dass der ursprüngliche Einstiegspreis für den Markt zu ambitioniert kalkuliert war.
Die Preise im Überblick
| Variante | Leistung | Preis (brutto) |
|---|---|---|
| VLE 300, Fünfsitzer (neu) | 203 kW (276 PS) | ab 70.735 Euro |
| VLE 300, Fünfsitzer (bisher) | 203 kW (276 PS) | mindestens 82.260 Euro |
| VLE 400 4MATIC, Fünfsitzer | 310 kW (422 PS) | ab 78.452 Euro |
| VLE 400 4MATIC, Sechssitzer | 310 kW (422 PS) | ab 78.909 Euro |
Bemerkenswert ist der Abstand zwischen den Motorisierungen: Zwischen dem neuen Basispreis des VLE 300 und dem Allrad-Topmodell liegen als Fünfsitzer rund 7.700 Euro. Gemessen an gut 100 kW Mehrleistung, dem zweiten Motor und dem Allradantrieb ist das nach unserer Einschätzung ein kleiner Aufschlag. Ob Ausstattungsunterschiede zwischen den beiden Preisangaben den Vergleich verzerren, ist eine offene Frage – wir haben beim Hersteller nachgefragt. Ein Sechssitzer-Preis für den VLE 300 liegt uns nicht vor.
Einordnung: Was sich gegenüber dem EQV ändert
Gegenüber dem EQV, der weder Allradantrieb noch eine Batterie dieser Größe anbot, ist der VLE 400 4MATIC ein klarer Generationswechsel. Belastbare Reichweitenvergleiche zwischen beiden Modellen liegen uns allerdings nicht vor, und auch zum Wettbewerb bei großen Elektro-Vans haben wir keine gesicherten Vergleichswerte. Wo der VLE in seiner Klasse tatsächlich steht, lässt sich erst beurteilen, wenn unabhängige Messungen vorliegen.
Was für die Kaufentscheidung noch fehlt, sind die Ladeleistungen an Wechsel- und Gleichstrom sowie eine belastbare Zeitangabe für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent. Bei einer 115-kWh-Batterie entscheidet genau das darüber, ob eine Langstrecke mit Familie oder Anhänger angenehm bleibt. Ebenfalls offen: ab wann die neuen Varianten tatsächlich ausgeliefert werden. Bestellbar sind sie bereits.
Wer jetzt kaufen will
Wer den VLE als Familien- oder Businessfahrzeug in Betracht zieht, sollte die eigene Prioritätenliste vor die Preisliste legen. Braucht das Fahrzeug Anhängelast, Traktion im Winter oder die höchste angegebene Reichweite, führt der Weg zum VLE 400 4MATIC – als Fünfsitzer liegt er rund 7.700 Euro über dem VLE 300. Geht es um den günstigsten Einstieg in einen elektrischen Van dieser Größe, ist der neu kalkulierte VLE 300 die interessantere Variante, sofern man die früheren Pflichtextras nicht ohnehin gewollt hätte.
Wie viel kostet der Mercedes VLE?
Der VLE 300 als Fünfsitzer startet nach der Umstellung der Ausstattungsstruktur bei 70.735 Euro brutto; bisher lag der Einstieg bei mindestens 82.260 Euro brutto. Das Allradmodell VLE 400 4MATIC kostet als Fünfsitzer ab 78.452 Euro und als Sechssitzer ab 78.909 Euro brutto.
Welche Reichweite bietet der Mercedes VLE 400 4MATIC?
Mercedes-Benz nennt für das Allrad-Topmodell mit 115-kWh-Batterie bis zu 654 Kilometer nach WLTP. Das ist eine Herstellerangabe unter Bestbedingungen; unabhängige Verbrauchsmessungen liegen bislang nicht vor.
Wie viel darf der VLE 400 4MATIC ziehen?
Die maximale Anhängelast beträgt bis zu 2,5 Tonnen.
Warum ist der Mercedes VLE 300 plötzlich günstiger?
Mercedes-Benz hat das neue „Advanced-Paket“ eingeführt und mehrere zuvor verpflichtende Sonderausstattungen aus der Pflichtliste genommen. Der Grundpreis sinkt dadurch, wer die Extras haben will, bezahlt sie nun einzeln. Welche Optionen genau entfallen, hat der Hersteller nicht im Detail veröffentlicht.
Wann kann man den neuen VLE fahren?
Die Varianten sind bestellbar. Ein bestätigter Termin für Marktstart und Auslieferung liegt uns nicht vor.
Wie schnell lädt die 115-kWh-Batterie?
Zu den Ladeleistungen an Wechsel- und Gleichstrom sowie zur Ladedauer von 10 auf 80 Prozent gibt es bislang keine belegten Angaben.