My Safety Switch: Renault und Dacia bauen eine Taste für Assistenz-Einstellungen ein
In neuen Modellen von Renault und Dacia sitzt künftig eine physische Taste. Zwei Tastendrücke rufen gespeicherte Einstellungen für die EU-Pflichtassistenten auf. Bei jedem Start sind die Systeme weiterhin aktiv. Ob die Lösung dem Zweck der EU-Regel entspricht, ist offen.

Renault und Dacia bauen in neue Modelle eine physische Taste ein, die die Bedienung der gesetzlich vorgeschriebenen Assistenzsysteme verkürzt. Sie heißt My Safety Switch. Zwei Tastendrücke rufen zuvor gespeicherte, persönliche Einstellungen auf und versetzen damit mehrere Systeme gleichzeitig in den Zustand, den der Fahrer für sich festgelegt hat. Bisher mussten Fahrer Systeme wie den Spurhalteassistenten, die Geschwindigkeitswarnung und die Fahrerüberwachung einzeln in Touchscreen-Menüs deaktivieren.
Die Taste erleichtert das Abschalten mehrerer Assistenten. Zugleich wirft sie die Frage auf, wie einfach Hersteller das Abschalten gestalten dürfen. Die EU-Sicherheitsverordnung schreibt vor, dass diese Systeme bei jedem Start des Fahrzeugs aktiv sind. Wie detailliert sie regelt, auf welchem Weg der Fahrer sie danach ausschalten kann, geht aus dem uns vorliegenden Material nicht hervor. Für Besitzer eines aktuellen Renault oder Dacia ändert die Ankündigung vorerst nichts.
Was die Taste tut
Der My Safety Switch ist ein echter Knopf im Fahrzeug, kein Feld auf dem Bildschirm. Dahinter liegt ein Profil mit den Einstellungen, die der Fahrer einmal für sich gewählt hat. Zwei Betätigungen genügen, dann gelten diese Einstellungen für die laufende Fahrt. Damit entfallen die einzelnen Eingaben in mehreren Menüebenen, die in vielen aktuellen Fahrzeugen nötig sind. Genannt werden der Spurhalteassistent, die Geschwindigkeitswarnung und die Fahrerüberwachung.
Diese Systeme schreibt die EU vor
Seit der Ausweitung der EU-Sicherheitsverordnung gehören mehrere Assistenten zur Pflichtausstattung neuer Fahrzeuge. Sie melden sich akustisch, optisch oder über Eingriffe am Lenkrad. Drei davon stehen in der aktuellen Meldung im Vordergrund.
| System | Was es im Fahrbetrieb tut |
|---|---|
| Spurhalteassistent | Warnt oder lenkt gegen, wenn das Fahrzeug die Fahrstreifenmarkierung ohne Blinker überfährt |
| Geschwindigkeitswarnung (ISA) | Vergleicht die gefahrene Geschwindigkeit mit dem erkannten Tempolimit und warnt bei Überschreitung |
| Fahrerüberwachung | Meldet sich, wenn das System Anzeichen für Müdigkeit oder nachlassende Aufmerksamkeit erkennt |
| Grundzustand laut EU-Vorgabe | Bei jedem Start des Fahrzeugs aktiv |
An dieser Vorgabe ändert die neue Taste nichts. Nach jedem Motorstart sind die Systeme zunächst aktiv, die gespeicherten Einstellungen gelten erst nach zwei Tastendrücken und nur für die laufende Fahrt. Ob und unter welchen Bedingungen die Verordnung das Abschalten während der Fahrt ausdrücklich regelt, geht aus dem uns vorliegenden Material nicht hervor.
Warum Hersteller darauf reagieren
Viele Fahrerinnen und Fahrer empfinden die wiederkehrenden Töne und Vibrationen als störend; die Meldung nennt das als Begründung für die neue Taste. In vielen Fahrzeugen sind für das Abschalten mehrere Eingaben auf dem Touchscreen nötig. Ein gespeichertes Profil, das die Einstellungen mehrerer Systeme mit zwei Tastendrücken aufruft, ist nach unserem Kenntnisstand bisher kaum verbreitet. Belastbare Marktübersichten dazu liegen uns nicht vor.
Ist die Taste mit dem Zweck der EU-Regel vereinbar?
Die Systeme sind bei jedem Start aktiv, der Fahrer muss die Taste danach selbst drücken. An diesem Punkt gemessen spricht nach bisherigem Stand nichts gegen die Lösung. Der Einwand gegen sie lautet, dass ein gespeichertes Profil mehrere Warnsysteme gemeinsam abschaltet, ohne dass sich der Fahrer bei jedem einzelnen System erneut entscheidet. Wer diesen Einwand erhebt, geht aus dem uns vorliegenden Material nicht hervor, und geklärt ist die Frage nicht.
Die Lösung könnte für andere Hersteller ein Beispiel sein, wie einfach sie das Abschalten der Systeme gestalten können. Wie EU-Kommission oder Euro NCAP darauf reagieren, ist derzeit nicht bekannt. Ein förmliches Verfahren gegen Renault oder Dacia ist uns nicht bekannt.
Zu den Sicherheitsfolgen lässt sich aus dem vorliegenden Material keine Aussage ableiten. Daten dazu, wie häufig Fahrer die Systeme tatsächlich abschalten und welche Wirkung das auf das Unfallgeschehen hat, liegen uns nicht vor.
Was noch offen ist
- In welchen Renault- und Dacia-Modellen die Taste verbaut wird und ab wann
- Ob Bestandsfahrzeuge die Funktion per Software-Update erhalten können
- Wie der Fahrer seine Einstellungen hinterlegt und ob er dabei einzelne Systeme aktiv lassen kann
- Welche Pflichtsysteme das Profil vollständig umfasst
- Wie die EU-Verordnung das Abschalten während der Fahrt im Einzelnen regelt
- Ob und wie Regulierungsbehörden die Umsetzung bewerten
Welche Assistenzsysteme erfasst der My Safety Switch?
Genannt werden der Spurhalteassistent, die Geschwindigkeitswarnung (ISA) und die Fahrerüberwachung. Laut Hersteller lassen sich mehrere der EU-weit vorgeschriebenen Systeme gleichzeitig in den gespeicherten Wunschzustand versetzen. Eine vollständige Liste liegt uns nicht vor.
In welchen Modellen von Renault und Dacia ist die Taste verbaut?
Das ist bislang nicht bekannt. Die Rede ist von neuen Modellen beider Marken, ohne Angabe konkreter Baureihen oder eines Termins.
Warum sind die Systeme nach jedem Start wieder aktiv?
Die EU-Sicherheitsverordnung schreibt vor, dass die betroffenen Assistenten bei jedem Start des Fahrzeugs aktiv sind. Gespeicherte Einstellungen gelten deshalb nicht automatisch ab dem Losfahren. Die Taste ändert daran nichts, sie verkürzt die Bedienung auf zwei Tastendrücke.
Ist die Taste mit den EU-Vorgaben vereinbar?
Die Systeme bleiben beim Start aktiv; an diesem Punkt gemessen spricht nach bisherigem Stand nichts gegen die Lösung. Ob sie dem Zweck der Regelung entspricht, ist umstritten und nicht abschließend geklärt. Ein Verfahren gegen Renault oder Dacia ist uns nicht bekannt.
Lässt sich die Funktion in einem älteren Renault oder Dacia nachrüsten?
Dazu liegen keine Angaben vor. Da es sich um eine physische Taste handelt, wäre eine reine Software-Nachrüstung nach unserer Einschätzung zumindest fraglich. Bestätigt ist dazu nichts.