Volkswagen nimmt in Zwickau eine Demontagelinie in Betrieb
Im Fahrzeugwerk Zwickau zerlegt Volkswagen künftig Vorserien- und Altfahrzeuge an einer Linie mit acht Stationen. Ab 2027 sollen dort 100 umgeschulte Beschäftigte jährlich 4.100 Fahrzeuge demontieren.

Volkswagen hat im Fahrzeugwerk Zwickau eine industrielle Demontagelinie in Betrieb genommen. An acht Stationen zerlegt das Werk Vorserien- und Altfahrzeuge; die gewonnenen Originalteile aller Konzernmarken sollen für den Vertrieb über den Handel aufbereitet werden. Ab 2027 ist ein Zweischichtbetrieb mit 100 umgeschulten Beschäftigten geplant, der jährlich 4.100 Fahrzeuge abbaut. Für Kundinnen und Kunden ändert sich am Fahrzeugangebot zunächst nichts.
Acht Stationen für Vorserien- und Altfahrzeuge
Eine Taktlinie ist das Prinzip, nach dem in Autowerken montiert wird: Jede Station hat eine feste Aufgabe und eine feste Zeit, danach rückt das Fahrzeug weiter. In Zwickau werden Fahrzeuge an festen Stationen zerlegt statt montiert. Acht Stationen nehmen die angelieferten Fahrzeuge in ihre Bestandteile auseinander. Dazu gehören Vorserienfahrzeuge, also Autos aus der Erprobung, die nie in den Verkauf kommen, sowie Altfahrzeuge am Ende ihres Lebens. Volkswagen organisiert die Demontage nun in einem eigenen Werk und richtet sie als getakteten Produktionsprozess mit festgelegter Jahreskapazität ein.
Die Zahlen für 2027
Gemessen an der Gesamtproduktion des Konzerns ist die Anlage klein. 4.100 Fahrzeuge im Jahr entsprechen einer Menge, die ein Montagewerk an wenigen Tagen baut. Die geplante Kapazität zeigt, dass Volkswagen einen eigenen Betriebsteil für die Demontage einrichtet. Wie viel Material dieser Betriebsteil gewinnen wird, ist offen. Wie die Linie künftig ausgelastet wird, hat Volkswagen nicht beziffert.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Standort | Fahrzeugwerk Zwickau |
| Stationen der Demontagelinie | 8 |
| Kapazität ab 2027 | 4.100 Fahrzeuge pro Jahr |
| Betriebsform | Zweischichtbetrieb |
| Personal ab 2027 | 100 umgeschulte Mitarbeitende |
| Investitionssumme | nicht veröffentlicht |

100 Beschäftigte sollen umgeschult werden
Die 100 Arbeitsplätze ab 2027 sollen mit umgeschulten Beschäftigten besetzt werden. Zwickau ist einer der Standorte, die vom Verbrenner auf den Elektroantrieb umgestellt wurden. Die Demontage wird hier als Tätigkeitsfeld aufgebaut, in das Beschäftigte aus der vorhandenen Belegschaft wechseln können.
Was das für die Beschäftigungslage am Standort insgesamt bedeutet, lässt sich aus der Mitteilung nicht ableiten. 100 Stellen sind im Verhältnis zur Werksbelegschaft eine überschaubare Zahl, und ob weitere Bereiche folgen, hat Volkswagen nicht gesagt. Auch zur Frage, ob das Modell auf andere Werke oder Konzernmarken übertragen wird, liegt keine Aussage vor.
Originalteile aus dem Rückbau
Aus den zerlegten Fahrzeugen sollen Originalserienteile aller Konzernmarken gewonnen und für den Vertrieb über den Handel aufbereitet werden. Welche Bauteile dabei im Vordergrund stehen, nennt Volkswagen nicht. Ebenso offen bleibt, welche Rohstoffe aus den übrigen Bestandteilen zurückgeführt werden und in welchem Umfang.
Volkswagen beschreibt das Ziel der Anlage damit, Rohstoffkreisläufe zu schließen. Diese Formulierung stammt aus der Mitteilung des Unternehmens und beschreibt eine Absicht. Ob tatsächlich geschlossene Kreisläufe entstehen, hängt von Materialströmen und Rückführungsquoten ab, zu denen bisher keine Zahlen vorliegen.
EU-Rezyklatquoten ab 2032 als Hintergrund
Als Grund für den Aufbau nennt Volkswagen die Vorbereitung auf EU-Vorgaben zu Rezyklatquoten ab 2032. Rezyklat ist Material, das aus Altprodukten zurückgewonnen wurde; eine Quote schreibt vor, welchen Anteil davon ein neues Fahrzeug enthalten muss. Wie hoch diese Anteile ausfallen und für welche Materialien sie gelten, ist in der Mitteilung nicht beziffert. Der zeitliche Vorlauf von mehreren Jahren deutet nach Einschätzung der Redaktion darauf hin, dass der Konzern den Aufbau solcher Strukturen als langwierig einschätzt.
Ob eine Linie dieser Größe ausreicht, um die künftigen Vorgaben konzernweit zu erfüllen, lässt sich derzeit nicht beurteilen. Dafür fehlen sowohl die genauen Quotenwerte als auch Angaben dazu, wie viel Material aus 4.100 Fahrzeugen wieder in der Fertigung eingesetzt wird.
Wie viele Fahrzeuge sollen in Zwickau zerlegt werden?
Ab 2027 sind 4.100 Fahrzeuge pro Jahr im Zweischichtbetrieb geplant. Zerlegt werden Vorserienfahrzeuge aus der Erprobung und Altfahrzeuge.
Wie viele Mitarbeitende arbeiten an der Demontagelinie?
Ab 2027 sollen dort 100 umgeschulte Beschäftigte arbeiten. Volkswagen besetzt die Stellen mit vorhandener Belegschaft des Standorts.
Wozu baut Volkswagen die Linie auf?
Aus den zerlegten Fahrzeugen sollen Originalteile aller Konzernmarken gewonnen und für den Handel aufbereitet werden. Zudem bereitet sich der Konzern nach eigenen Angaben auf EU-Vorgaben zu Rezyklatquoten ab 2032 vor.
Quellen
- Volkswagen Newsroom Pressemitteilungvolkswagen-newsroom.com