Mercedes EQA und EQB: Brandgefahr, Rückruf 16136R und zwei Urteile zur Rückabwicklung
Wegen einer Brandgefahr der Hochvoltbatterie müssen betroffene Mercedes EQA und EQB unter freiem Himmel parken und dürfen nur bis 80 Prozent geladen werden. Zwei Landgerichte haben Käufern die Rückabwicklung ihres Kaufvertrags zugesprochen.

Wer einen Mercedes EQA oder EQB fährt, der zwischen dem 20. Februar 2021 und dem 30. Juli 2024 gebaut wurde, hat aktuell zwei sehr konkrete Auflagen: Der Akku darf nur bis maximal 80 Prozent geladen werden, und das Auto muss unter freiem Himmel abgestellt werden – geschlossene oder überdachte Stellplätze wie Garage, Tiefgarage oder Carport sind bis auf Weiteres tabu. Beides gilt, solange die Hochvoltbatterie nicht komplett ersetzt worden ist. Hintergrund ist eine Brandgefahr, die das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zum Rückruf mit der Referenznummer 16136R veranlasst hat.
Für Halter heißt das: Bis zum Batterietausch gelten diese Auflagen im Alltag, und die volle Reichweite steht ebenfalls nicht zur Verfügung. Für Kaufinteressenten heißt es: Wer jetzt einen gebrauchten EQA oder EQB oder einen Jahreswagen dieser Baureihen ins Auge fasst, sollte vor der Unterschrift klären, ob das konkrete Fahrzeug betroffen ist und ob die Batterie schon getauscht wurde. Und wer bereits ein betroffenes Auto besitzt, hat unter Umständen mehr Rechte als nur den Werkstattbesuch – dazu gibt es inzwischen zwei Urteile.
Brandfall in Speyer: was bekannt ist
Am 16. August 2026 brannte in Speyer ein Mercedes EQA während des Ladevorgangs vollständig aus. Ob es dabei Verletzte oder weitere Sachschäden gab, ist nach bisher vorliegenden Angaben nicht ersichtlich. Ein belegter Zusammenhang zwischen diesem Vorfall und dem Rückruf besteht nicht: Der Rückruf läuft unabhängig vom einzelnen Fall. Erkennbar ist aber, warum die Zwischenauflagen ausgerechnet beim Laden und beim Abstellen ansetzen – beides sind Situationen, in denen ein Fahrzeug lange unbeaufsichtigt an einem festen Ort steht.
Die genaue technische Ursache des Brandrisikos ist offen. Ob es sich um ein Problem einzelner Zellen, um einen Fertigungsfehler oder um die Batteriesteuerung handelt, ist bislang nicht belegt. Dass Mercedes nicht mit einem Software-Update oder einer dauerhaften Ladebegrenzung arbeitet, sondern die Batterie komplett ersetzt, deutet auf ein Problem in der Hardware hin – das ist eine Einschätzung der Redaktion und keine Angabe des Herstellers.
KBA-Rückruf 16136R: Welche Fahrzeuge betroffen sind

Der Rückruf umfasst Fahrzeuge der Baureihen EQA und EQB aus einem Produktionszeitraum von rund dreieinhalb Jahren. Wie viele Autos insgesamt zurückgerufen werden, ist uns nicht bekannt. Ebenso offen ist, wie lange der Tausch pro Fahrzeug dauert und ab wann genügend Ersatzbatterien bereitstehen. Für die Prüfung des konkreten Fahrzeugs ist ein Mercedes-Servicepartner die schnellste Adresse: Dort lässt sich anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer (FIN) sofort abfragen, ob das Auto auf der Rückrufliste steht.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Betroffene Baureihen | Mercedes EQA, Mercedes EQB |
| Produktionszeitraum | 20. Februar 2021 bis 30. Juli 2024 |
| KBA-Referenznummer | 16136R |
| Maximaler Ladestand vor Batterietausch | 80 Prozent |
| Parkvorgabe vor Batterietausch | unter freiem Himmel; keine geschlossenen oder überdachten Stellplätze (Garage, Tiefgarage, Carport) |
| Abhilfemaßnahme | vollständiger Austausch der Hochvoltbatterie |
Zwei Landgerichte sprechen Käufern die Rückabwicklung zu
Das Landgericht Stuttgart hat am 30. Juli 2026 in zwei Verfahren (Az. 53 O 3/26 und 53 O 27/26) gegen Mercedes entschieden und die Rückabwicklung der Kaufverträge für betroffene EQA-Fahrzeuge angeordnet. Das Landgericht Frankfurt (Oder) urteilte am 14. August 2026 (Az. 11 O 140/25) im selben Sinne. Die Gerichte bewerteten die Brandgefahr als wesentlichen Mangel der Kaufsache – und damit als schwerwiegend genug, um das Auto zurückgeben zu können, statt sich auf eine Nachbesserung verweisen zu lassen.
Ungewöhnlich ist: Bei technischen Rückrufen läuft es normalerweise auf den Werkstattbesuch hinaus, hier haben zwei Gerichte den Klägern den Weg aus dem Vertrag eröffnet. Wichtig ist die Einschränkung: Es handelt sich um Entscheidungen erster Instanz in konkreten Einzelfällen. Ob sie rechtskräftig sind oder ob Berufung eingelegt wurde, ist uns nicht bekannt. Ein automatischer Anspruch für alle Halter betroffener Fahrzeuge lässt sich daraus nicht ableiten. Wer die Rückgabe erwägt, kommt an einer individuellen rechtlichen Prüfung nicht vorbei – zumal bei Leasing- oder Firmenwagen ohnehin zu klären ist, wer Vertragspartner und damit Anspruchsinhaber ist.
Was das für Kauf und Wiederverkauf bedeutet
Was sich für Käufer ändert, ist die Prüfliste: Baujahr beziehungsweise Produktionsdatum, Rückrufstatus und die Frage, ob die Hochvoltbatterie bereits ersetzt wurde. Ein Fahrzeug mit dokumentiert neuer Batterie ist eine andere Sache als eines, das noch auf den Termin wartet und bis dahin den Auflagen unterliegt. Wer ein Angebot prüft, sollte sich den Rückrufstatus schriftlich bestätigen lassen, statt sich auf eine mündliche Zusage zu verlassen.
Ob sich der Rückruf auf Preise und Restwerte auswirkt, lässt sich derzeit nicht belegen – dazu liegen uns keine Zahlen vor. Belastbar ist nur: Solange die Auflagen gelten, ist ein betroffenes Fahrzeug im Alltag eingeschränkt nutzbar, und dieser Umstand ist beim Preisgespräch ein Argument.
- Produktionsdatum prüfen: liegt es zwischen dem 20. Februar 2021 und dem 30. Juli 2024?
- Rückrufstatus zu 16136R über einen Mercedes-Servicepartner anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer abfragen – das geht dort direkt am Schalter
- Klären, ob die Hochvoltbatterie schon getauscht wurde – und sich das schriftlich geben lassen
- Bei Rückgabeabsicht: individuelle rechtliche Beratung einholen, die Urteile gelten den konkreten Klägern
Wer sich angesichts der Auflagen nach Alternativen umsehen möchte, kann im Marktplatz über die Filtersuche nach Baujahr, Modell und Angebotsform – Kauf, Leasing oder Abo – eingrenzen. Für Interessenten an EQA und EQB gilt: Die Baureihen sind nicht vom Markt, aber das Produktionsdatum ist derzeit ein Prüfkriterium wie Kilometerstand oder Serviceheft.
Was noch offen ist
Stand: 28. August 2026. Fünf Punkte bleiben ungeklärt: die Gesamtzahl der zurückgerufenen Fahrzeuge, die technische Ursache des Brandrisikos, die Dauer des Batterietauschs samt Verfügbarkeit der Ersatzakkus, die Folgen des Brands in Speyer und der weitere Verlauf der Gerichtsverfahren. Wir aktualisieren den Artikel, sobald belastbare Angaben dazu vorliegen.
Welche Mercedes-Modelle sind vom Rückruf 16136R betroffen?
Fahrzeuge der Baureihen Mercedes EQA und EQB, die zwischen dem 20. Februar 2021 und dem 30. Juli 2024 produziert wurden. Ob ein konkretes Fahrzeug dabei ist, klärt ein Mercedes-Servicepartner anhand der Fahrzeug-Identifizierungsnummer.
Darf ich meinen betroffenen Mercedes EQA in der Garage parken?
Nein. Bis zum vollständigen Austausch der Hochvoltbatterie müssen betroffene Fahrzeuge unter freiem Himmel abgestellt werden. Geschlossene oder überdachte Stellplätze wie Garage, Tiefgarage oder Carport sind damit ausgeschlossen.
Wie weit darf der Akku eines betroffenen Fahrzeugs geladen werden?
Bis maximal 80 Prozent, solange die Batterie nicht ersetzt wurde. Ob und wie diese Grenze technisch erzwungen wird und ob es Unterschiede zwischen AC- und DC-Laden gibt, ist nach bisher vorliegenden Angaben nicht bekannt.
Kann ich meinen Mercedes EQA wegen des Brandrisikos zurückgeben?
Zwei Landgerichte haben Klägern die Rückabwicklung des Kaufvertrags zugesprochen und die Brandgefahr als wesentlichen Mangel gewertet. Das sind Einzelfallentscheidungen erster Instanz; ob sie rechtskräftig sind, ist uns nicht bekannt. Ein pauschaler Anspruch für alle Halter ergibt sich daraus nicht – eine individuelle rechtliche Prüfung ist nötig.
Was ist die technische Ursache des Brandrisikos?
Das ist bislang nicht belegt. Bekannt ist nur, dass als Abhilfe die komplette Hochvoltbatterie getauscht wird und nicht etwa ein Software-Update genügt.
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