BMW und Partner fahren ein Jahr lang HVO100 in über 600 Diesel-Fahrzeugen
Die BMW Group hat gemeinsam mit Bosch, Eni und Repsol zwölf Monate lang Firmenflotten von BMW und MINI in drei Ländern mit HVO100 betankt und dabei mehr als 5.500 Tankvorgänge dokumentiert. Der Test soll die geplante EU-Fahrzeugkategorie VEEF stützen.
Die BMW Group hat zusammen mit Bosch, Eni und Repsol zwölf Monate lang mehr als 600 Diesel-Fahrzeuge der Marken BMW und MINI mit HVO100 betankt. Die Fahrzeuge liefen in Firmenflotten in Deutschland, Italien und Spanien. Mehr als 5.500 Tankvorgänge wurden dabei digital und nach Angaben des Unternehmens lückenlos dokumentiert, der Anteil von HVO am getankten Kraftstoff lag bei über 80 Prozent. Für Besitzerinnen und Besitzer eines Diesels ändert sich dadurch im Moment nichts.
BMW und seine Partner wollen mit dem Test Daten für die geplante EU-Fahrzeugkategorie VEEF liefern. Gemeint sind damit Fahrzeuge, die ausschließlich mit anerkannten Kraftstoffen wie HVO100 fahren und deshalb in der CO2-Regulierung gesondert bewertet werden sollen. Diese Kategorie gibt es in der EU-Regulierung bislang nicht. Der Test soll belegen, dass sich bestehende Serienfahrzeuge im Alltag mit HVO100 betreiben lassen und dass sich das nachweisen lässt.
Was im Test passiert ist
HVO100 ist ein Dieselkraftstoff, der aus hydrierten Pflanzenölen und Rest- oder Abfallstoffen hergestellt wird. Er lässt sich in vorhandene Dieseltanks füllen und über die vorhandene Zapfsäulentechnik abgeben. Genau das war der Aufbau des Versuchs: Nach Angaben der BMW Group wurden weder die Fahrzeuge technisch verändert noch eine eigene Tankstellen-Infrastruktur aufgebaut. Die Flotte fuhr im normalen Firmenbetrieb, die Tankvorgänge wurden digital erfasst.

Für die geplante Fahrzeugkategorie sind vor allem die dokumentierten Tankvorgänge wichtig. Wer gegenüber einem Gesetzgeber nachweisen will, dass ein Fahrzeug ausschließlich mit einem bestimmten Kraftstoff betrieben wird, braucht dafür belastbare Daten über jeden einzelnen Tankvorgang. Der Anteil von HVO an der getankten Kraftstoffmenge lag bei über 80 Prozent. Wie viele öffentliche HVO100-Tankstellen es in den drei Ländern gibt, geht daraus nicht hervor.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Testflotte | über 600 Diesel-Fahrzeuge (BMW und MINI) |
| Testdauer | 12 Monate |
| Dokumentierte Tankvorgänge | über 5.500 |
| HVO-Quote | mehr als 80 Prozent |
| Kraftstoff | HVO100 |
| Beteiligte Unternehmen | BMW Group, Bosch, Eni, Repsol |
| Einsatzländer | Deutschland, Italien, Spanien |
Wofür die Kategorie VEEF gedacht ist
VEEF steht für „Vehicles Exclusively running on Eligible Fuels", also Fahrzeuge, die ausschließlich mit anerkannten Kraftstoffen betrieben werden. Die Kategorie existiert bislang nicht, sie ist geplant. Die Idee dahinter: Ein Verbrennerfahrzeug, das nachweislich nur mit einem anerkannten Kraftstoff wie HVO100 fährt, soll in der CO2-Bilanz anders bewertet werden als ein Fahrzeug, das an jeder beliebigen Zapfsäule getankt wird. Die Emissionen würden dann über den Kraftstoff adressiert und nicht allein über die Antriebstechnik.
Für die Hersteller ist das politisch bedeutsam, weil die EU-Flottengrenzwerte bislang stark auf die Elektrifizierung ausgerichtet sind. Mit einer anerkannten VEEF-Kategorie könnten Hersteller solche Fahrzeuge bei der Berechnung ihrer Flottenwerte berücksichtigen. Wann ein Regulierungsrahmen dafür in Kraft treten könnte, geht aus der Mitteilung der BMW Group nicht hervor. Der Test hat derzeit keine Auswirkungen auf die EU-Flottengrenzwerte.
Was der Test zeigt
Der Test dokumentiert über zwölf Monate den HVO100-Einsatz in einer größeren Firmenflotte. Dass freigegebene Dieselfahrzeuge HVO100 nutzen können, war bereits bekannt. Welche Fahrzeuge freigegeben sind, entscheidet jeder Hersteller für sein jeweiliges Modell; eine pauschale Freigabe für alle Diesel gibt es nicht. Wer HVO100 tanken will, sollte deshalb in der Betriebsanleitung oder beim Hersteller nachsehen, ob der eigene Motor dafür zugelassen ist.
Für eine Fahrzeugkategorie, die an den getankten Kraftstoff gekoppelt ist, braucht es den Nachweis, dass sich der Betrieb einer Flotte mit HVO100 organisieren und über einen längeren Zeitraum nachvollziehbar erfassen lässt. Diesen Nachweis liefern die Daten aus den zwölf Monaten. Ob er für die Regulierung ausreicht, ist damit nicht entschieden.
Welche Aufgaben die Partner hatten, bleibt offen
Mit Bosch ist ein Zulieferer beteiligt, mit Eni und Repsol zwei Energiekonzerne, die Kraftstoffe herstellen und vertreiben. Welche Aufgaben die drei Unternehmen im Testaufbau konkret übernommen haben, nennt die Mitteilung nicht. Erkennbar ist, dass alle Beteiligten ein Interesse daran haben, dass Verbrennungsmotoren und die dazugehörige Kraftstoffversorgung über das kommende Jahrzehnt hinaus eine regulatorisch anerkannte Rolle spielen.
Was offen bleibt
- Welche Modellreihen und Motorisierungen von BMW und MINI in der Testflotte gefahren sind, ist nicht veröffentlicht.
- Die Gesamtkilometerleistung der Flotte über die zwölf Monate nennt die Mitteilung nicht.
- Ein Zeitplan für die Einführung der VEEF-Kategorie liegt nicht vor.
- Zur Verfügbarkeit von HVO100 an öffentlichen Tankstellen in Deutschland, Italien und Spanien macht die Mitteilung keine Angaben.
Der Test erfasste über zwölf Monate mehr als 600 Fahrzeuge und mehr als 5.500 Tankvorgänge in den beteiligten Firmenflotten. Ob die Kategorie VEEF eingeführt wird, hängt von den Entscheidungen des EU-Gesetzgebers ab; auch die Verfügbarkeit von HVO100 ist dafür relevant.
Welche Unternehmen haben am HVO100-Test mitgewirkt?
Die BMW Group hat den Test gemeinsam mit Bosch, Eni und Repsol durchgeführt. Die Fahrzeuge liefen in Firmenflotten in Deutschland, Italien und Spanien.
Wurden für den Test Anpassungen an den Fahrzeugen vorgenommen?
Nach Angaben der BMW Group nicht. Weder an den Fahrzeugen noch an der Tankstellen-Infrastruktur seien Änderungen nötig gewesen. Ob ein bestimmter Diesel für HVO100 freigegeben ist, entscheidet allerdings der jeweilige Hersteller je Modell.
Was ist HVO100?
HVO100 ist ein Dieselkraftstoff aus hydrierten Pflanzenölen sowie Rest- und Abfallstoffen. Er kann bei freigegebenen Motoren anstelle von herkömmlichem Diesel getankt werden.
Welchem Zweck dient die geplante Fahrzeugkategorie VEEF?
VEEF steht für Fahrzeuge, die ausschließlich mit anerkannten Kraftstoffen betrieben werden. Die Kategorie soll ermöglichen, solche Fahrzeuge in der CO2-Regulierung gesondert zu bewerten. Sie ist bislang geplant und nicht beschlossen.
Kann ich als Dieselfahrer jetzt HVO100 tanken?
Das hängt von der Freigabe für Ihr Modell und von der Verfügbarkeit an Tankstellen in Ihrer Region ab. Zu beidem enthält die Mitteilung der BMW Group keine Angaben.
Quellen
- BMW Group PressClub Deutschlandpress.bmwgroup.com
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