Mercedes-Angebot vergütet Zeit an der Wallbox
Mercedes-Benz und The Mobility House bringen ein Paket aus Wallbox, App und Stromtarif auf den Markt. Es gibt 11,75 Cent für jede Stunde am Kabel – zum Start für zwei Modelle, nicht für Haushalte mit eigener Solaranlage, und erst nach Freischaltung per Software-Update.

Mercedes-Benz bringt in Deutschland gemeinsam mit dem Anbieter The Mobility House ein Angebot für bidirektionales Laden auf den Markt. Wer mitmacht, bekommt 11,75 Cent für jede Stunde, in der das Auto an der heimischen Wallbox angeschlossen ist. Bei zwölf Stunden am Tag summiert sich das nach Angaben der Beteiligten auf mehr als 500 Euro im Jahr. Die dafür nötige Wallbox kostet regulär 2.990 Euro, die ersten 500 Kunden zahlen 1.990 Euro.
Drei Einschränkungen gehören von Anfang an dazu. Das Angebot gilt zum Start nur für den vollelektrischen GLC und die C-Klasse. Haushalte mit eigener Photovoltaik-Anlage können vorerst nicht teilnehmen, weil die Netzbetreiber die zugehörigen Regeln erst bis Ende September 2027 umsetzen müssen. Und die Funktion im Auto wird erst nach dem jeweiligen Marktstart per Software-Update freigeschaltet; Termine dafür nennt Mercedes bislang nicht.
Was im Paket steckt
Das Produkt heißt MB.Charge Home Pro Intelligent und besteht aus drei Teilen: einer bidirektionalen Wallbox, einer App und einem Stromtarif. Bidirektional heißt, dass Strom in beide Richtungen fließen kann – ins Auto hinein und aus der Fahrzeugbatterie wieder heraus ins Netz. Die Technik heißt Vehicle-to-Grid, kurz V2G. Mercedes verkauft sie als Paket mit festem Preis und fester Vergütung.
Die Wallbox trägt den Namen ChargeLine BiDi, leistet 11 kW und arbeitet mit Gleichstrom (DC). Die 11 kW entsprechen der Leistung einer gängigen Heim-Wallbox; Schnellladesäulen an der Autobahn laden deutlich schneller. Entwickelt wurde die Wallbox von The Mobility House zusammen mit Ecog und Zhejiang EV-Tech. Die V2G-Funktion im Auto selbst wird je nach Modell nach dem Marktstart per Over-the-Air-Update freigeschaltet, die Hardware muss also nicht nachgerüstet werden.
Wie die Vergütung funktioniert
Vergütet wird die Zeit am Kabel. Für jede Stunde, in der das Fahrzeug mit der Wallbox verbunden ist, schreibt der Anbieter 11,75 Cent gut. Zwölf Stunden täglich über ein ganzes Jahr ergeben rund 514 Euro. Dieser Wert setzt allerdings voraus, dass das Auto nahezu jeden Tag zwölf Stunden angeschlossen bleibt. Das passt vor allem zu festen Standzeiten über Nacht und zu einer Wallbox, die man ohne Umstände erreicht.
Wer häufig unterwegs ist, das Auto tagsüber am Arbeitsplatz stehen hat oder es mit mehreren Fahrern teilt, kommt entsprechend auf weniger. Wer das Auto dagegen regelmäßig zu Hause anschließt, kann auch während längerer Standzeiten die Vergütung erhalten.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Paketname | MB.Charge Home Pro Intelligent |
| Wallbox | ChargeLine BiDi, 11 kW (DC) |
| Wallbox-Preis regulär | 2.990 Euro |
| Rabatt für die ersten 500 Kunden | 1.000 Euro, befristet bis Ende März 2027 |
| Zusätzlicher Ladegutschein | 250 Euro für MB.Charge Public |
| Vergütung | 11,75 Cent je angeschlossener Stunde |
| Rechnerischer Jahresbonus bei 12 h/Tag | mehr als 500 Euro |
| Modelle zum Start | GLC (vollelektrisch), C-Klasse |
Wann sich die Wallbox rechnet
Stellt man die genannten Zahlen gegenüber, dauert es beim regulären Preis von 2.990 Euro und gut 500 Euro Bonus im Jahr knapp sechs Jahre, bis die Wallbox bezahlt ist. Mit dem Rabatt für die ersten 500 Kunden sinkt der Anschaffungspreis auf 1.990 Euro, womit rund vier Jahre bleiben. Wer den 250-Euro-Gutschein für öffentliches Laden vollständig nutzt, kann seinen Wert in die Rechnung einbeziehen. Beides sind Überschlagsrechnungen auf Basis der veröffentlichten Werte.
Nicht enthalten sind dabei die Kosten für Installation und Elektriker, zu denen keine Angaben vorliegen. Ebenso offen bleibt, wie der im Paket enthaltene Stromtarif im Vergleich zum bisherigen Hausstromvertrag abschneidet. Wer rechnen will, sollte diese beiden Posten selbst einholen, bevor er unterschreibt.
Welche Modelle mitmachen
Zum Start sind der vollelektrische GLC und die C-Klasse dabei. Später sollen VLE, GLA, EQS, CLA, CLA Shooting Brake und GLB folgen. Mercedes nennt bislang keine Termine für die Freischaltung per Software-Update. Wer ein älteres Elektromodell der Marke fährt, findet in den vorliegenden Angaben keinen Hinweis darauf, dass es nachträglich V2G-fähig wird.
Was hinter dem Ausschluss von PV-Haushalten steht
Grund für den Ausschluss ist die sogenannte MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur. Sie regelt, wie mehrere Erzeuger und Speicher hinter einem Netzanschluss zusammenspielen. Die Regel betrifft derzeit alle Anbieter bidirektionaler Lösungen in Deutschland. Wann Haushalte mit Photovoltaik-Anlage einsteigen können und ob die Vergütung dann gleich bleibt, ist offen.
Was die Unterlagen nicht beantworten
Mehrere Punkte, die für eine Kaufentscheidung wichtig sind, gehen aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. Dazu zählen die Vertragslaufzeit und die Frage, ob die 11,75 Cent über die gesamte Laufzeit garantiert sind. Auch zur Batteriegarantie bei täglichem bidirektionalem Betrieb und zur steuerlichen Behandlung des zurückgespeisten Stroms liegen keine Informationen vor. Ebenso unklar ist, ob sich das Angebot nur mit der mitgelieferten Wallbox nutzen lässt. Diese Fragen sollte man vor Vertragsschluss beim Händler oder beim Anbieter klären.
Wie viel Geld gibt es für das bidirektionale Laden?
11,75 Cent für jede Stunde, in der das Fahrzeug mit der Wallbox verbunden ist. Bei zwölf Stunden täglich kommen nach Angaben der Anbieter mehr als 500 Euro im Jahr zusammen.
Welche Mercedes-Modelle unterstützen die Funktion zum Start?
Der vollelektrische GLC und die C-Klasse. VLE, GLA, EQS, CLA, CLA Shooting Brake und GLB sollen folgen, Termine dafür stehen noch nicht fest.
Was kostet die Wallbox ChargeLine BiDi?
Regulär 2.990 Euro. Die ersten 500 Kunden erhalten bis Ende März 2027 einen Rabatt von 1.000 Euro sowie einen Gutschein über 250 Euro für öffentliches Laden mit MB.Charge Public. Installationskosten sind in diesen Angaben nicht enthalten.
Warum können Haushalte mit Photovoltaik-Anlage nicht teilnehmen?
Weil die Netzbetreiber die MiSpeL-Festlegung der Bundesnetzagentur erst bis Ende September 2027 umsetzen müssen. Die Regel betrifft alle Anbieter bidirektionaler Lösungen in Deutschland.
Muss das Auto für die Funktion in die Werkstatt?
Nein. Die V2G-Funktion wird je nach Modell nach dem Marktstart per Over-the-Air-Update freigeschaltet.
Quellen
- pv magazine Deutschlandpv-magazine.de
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