Volvo EX90 mit 800 Volt: 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent – LiDAR fällt weg
Ab dem Modelljahr 2026/2027 lädt der Volvo EX90 mit bis zu 350 kW und ist damit deutlich schneller am Schnelllader. Im Gegenzug schrumpfen die Batterien leicht und der LiDAR-Sensor auf dem Dach verschwindet.

Wer einen Volvo EX90 kaufen, leasen oder im Abo fahren will, bekommt ab dem Modelljahr 2026/2027 ein anderes Auto als bisher – zumindest unter dem Blech. Volvo stellt das große Elektro-SUV auf ein 800-Volt-Bordnetz um. Die maximale Ladeleistung am Gleichstrom-Schnelllader steigt damit auf bis zu 350 kW, der Ladehub von 10 auf 80 Prozent dauert laut Hersteller 22 Minuten. Für den Alltag heißt das: Ein kurzer Ladehalt auf der Langstrecke genügt, um den Akku wieder weitgehend zu füllen. Nach unserer eigenen Überschlagsrechnung auf Basis der WLTP-Reichweiten entspricht dieser Ladehub je nach Variante rund 390 bis 435 Kilometern – im Alltag ist es weniger, eine Herstellerangabe dazu liegt nicht vor.
Es gibt aber auch Abstriche: Die Batteriekapazitäten sinken leicht, und der LiDAR-Sensor auf dem Dach – bei der Markteinführung als Sicherheitsargument beworben – entfällt. Dafür bekommt der EX90 mehr Rechenleistung. Die Bezeichnung „Modelljahr 2026/2027“ stammt von Volvo selbst; die Doppelangabe ist nicht näher terminiert, konkrete Bestell- und Lieferdaten nennt der Hersteller bislang nicht. Wer bereits einen EX90 bestellt hat oder kurz vor dem Abschluss steht, sollte deshalb klären, welches Modelljahr im Angebot steckt.
Was das 800-Volt-Update für Käufer konkret bedeutet
Die Spannung des Bordnetzes entscheidet mit darüber, wie viel Strom pro Zeiteinheit in die Batterie fließen kann, ohne dass Kabel und Bauteile überhitzen. Höhere Spannung erlaubt bei gleichem Strom mehr Leistung – und damit kürzere Standzeiten an der Säule. Volvo nennt für die stärkeren Varianten bis zu 350 kW, für den heckgetriebenen Single Motor bis zu 310 kW. Beides sind Spitzenwerte, die nur in einem Teil des Ladevorgangs erreicht werden. Voraussetzung ist zudem ein Schnellladepunkt (HPC), der diese Leistung tatsächlich abgibt; an schwächeren Säulen bleibt es beim niedrigeren Wert.

Wie sich die Ladeleistung bei niedrigen Außentemperaturen verhält und wie gleichmäßig die Ladekurve verläuft, hat Volvo nicht offengelegt. Auch eine Angabe zur Zellchemie fehlt – ungewöhnlich, weil 350 kW bei rund 103 kWh Nettokapazität eine sehr hohe Belastung für die Zellen bedeuten. Bis unabhängige Messungen vorliegen, gilt der Wert deshalb als Herstellerangabe, nicht als Alltagserfahrung.
Kleinere Batterien, Reichweite bis 624 km WLTP
Gleichzeitig mit der Umstellung schrumpfen die Akkus leicht. Die kleinere Batterie kommt auf 92 kWh brutto und 90 kWh netto, die große auf 106 kWh brutto und 103 kWh netto. Die WLTP-Reichweiten gibt Volvo mit 559 bis 624 Kilometern an. Dass die Kapazität sinkt, die Reichweite aber auf hohem Niveau bleibt, deutet auf Effizienzgewinne durch neue Zellen oder ein neues Batteriepaket hin. Bestätigt hat Volvo das nicht – die technische Begründung bleibt bislang offen.
Welche Reichweite und welche Ladeleistung genau für welche Antriebsvariante gilt, ist derzeit nicht vollständig aufgeschlüsselt. Für die Allradmodelle liegen keine einzelnen Werte vor. Wer auf eine bestimmte Zahl angewiesen ist – etwa für eine feste Pendelstrecke –, sollte die Konfiguration vor der Bestellung beim Händler bestätigen lassen. Sobald Volvo die Detailwerte veröffentlicht, aktualisieren wir diesen Artikel.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Bordnetz | 800 Volt |
| Max. DC-Ladeleistung | bis zu 350 kW (Single Motor: bis zu 310 kW) |
| Ladedauer 10–80 % | 22 Minuten |
| Batterie klein | 92 kWh brutto / 90 kWh netto |
| Batterie groß | 106 kWh brutto / 103 kWh netto |
| WLTP-Reichweite | 559 bis 624 km |
| Rechenplattform | 2x NVIDIA Drive AGX Orin, zusammen 508 TOPS |
| LiDAR auf dem Dach | entfällt |
| Einstiegsvariante | Single Motor Plus, Heckantrieb, 245 kW (333 PS) |
| Einstiegspreis | 84.190 Euro |
Mehr Rechenleistung, kein LiDAR mehr
Der EX90 erhält zwei leistungsstärkere Prozessoren der Nvidia-Drive-Orin-Reihe – Volvo bezeichnet die Plattform als NVIDIA Drive AGX Orin – mit zusammen 508 TOPS Rechenleistung. TOPS steht für Billionen Rechenoperationen pro Sekunde und beschreibt, wie viele Sensordaten das Auto gleichzeitig auswerten kann. Mehr Rechenleistung ist die Voraussetzung dafür, dass Assistenzsysteme per Software-Update erweitert werden können, ohne dass die Hardware zum Engpass wird.
Umso auffälliger ist, dass der LiDAR-Sensor auf dem Dach wegfällt. LiDAR tastet die Umgebung mit Laserpulsen ab und erkennt Hindernisse auch bei schlechten Sichtverhältnissen zuverlässig – Volvo hatte den Sensor beim Marktstart des EX90 ausdrücklich als Sicherheitsmerkmal hervorgehoben. Warum er nun verschwindet, hat der Hersteller nicht erklärt. Was das für angekündigte hochautomatisierte Funktionen bedeutet, ist damit ebenfalls offen. Wer den LiDAR für sich als Kaufargument gesetzt hatte, muss dieses Argument beim neuen Modelljahr streichen.
Einordnung: Aufholen statt vorlegen
Beim Laden schließt der EX90 mit dem Update zu Wettbewerbern auf, die bereits mit 800-Volt-Technik antreten – dazu gehören Kia EV9, Audi Q6 e-tron und Porsche Macan Electric. Belegte, vergleichbar gemessene Ladezeiten dieser Modelle liegen uns nicht vor; ein direkter Zeitvergleich ist an dieser Stelle deshalb nicht möglich. Gegenüber dem bisherigen EX90 ist das Update der eigentliche Fortschritt: Wer viel Langstrecke fährt, verliert an der Säule messbar weniger Zeit. Bei der Rechenleistung liegt der EX90 über seiner früheren Konfiguration.
Unterm Strich ist das ein technisches Update auf Plattformebene, kein neues Modell. Karosserie, Format und Grundcharakter des siebensitzigen Elektro-SUV bleiben. Für Interessenten heißt das: Das Fahrzeug fühlt sich vertraut an, das Ladeverhalten nicht.
Preis und Verfügbarkeit
Der Einstieg beginnt beim heckangetriebenen Single Motor Plus mit 245 kW (333 PS) bei 84.190 Euro. Preise für die Allradvarianten und Aufpreise für einzelne Ausstattungen liegen nicht vor. Auch der genaue Bestellstart und die ersten Auslieferungen des Modelljahrs 2026/2027 sind bislang nicht kommuniziert – wer jetzt konfiguriert, sollte sich den Liefertermin und das Modelljahr schriftlich bestätigen lassen.
Eine Nachrüstung bestehender Fahrzeuge auf 800 Volt ist nicht angekündigt und aus technischen Gründen auch nicht zu erwarten: Die Bordnetzspannung betrifft Batterie, Leistungselektronik und Verkabelung. Halter eines EX90 aus dem Modelljahr 2025 behalten also die bisherigen Ladewerte. Umgekehrt kann das Timing des Modellwechsels eine Chance sein – auslaufende Modelljahre sowie Jahreswagen und Vorführfahrzeuge des bisherigen Stands können eine Alternative sein, wenn die Ladezeit nicht das entscheidende Kriterium ist. Belegte Nachlässe oder Preisangaben für den EX90 des alten Modelljahrs gibt es dazu nicht; das ist eine Einschätzung der Redaktion.
Wie hoch ist die maximale Ladeleistung des neuen Volvo EX90?
Volvo nennt bis zu 350 kW, beim heckangetriebenen Single Motor bis zu 310 kW. Von 10 auf 80 Prozent soll der Ladevorgang 22 Minuten dauern. Voraussetzung ist ein Schnelllader, der diese Leistung abgibt; ob und wie lange die Spitzenwerte im Alltag und bei Kälte gehalten werden, ist bislang nicht belegt.
Wie viel kostet der Volvo EX90 mit 800-Volt-Bordnetz?
Der Einstiegspreis für den Single Motor Plus mit 245 kW (333 PS) und Heckantrieb liegt bei 84.190 Euro. Preise für die Allradvarianten sind noch nicht bekannt.
Warum fällt der LiDAR-Sensor beim EX90 weg?
Eine Begründung hat Volvo nicht genannt. Gesichert ist nur, dass der Dachsensor entfällt und der EX90 gleichzeitig zwei leistungsstärkere Nvidia-Drive-Orin-Prozessoren mit zusammen 508 TOPS erhält. Welche Folgen das für hochautomatisierte Fahrfunktionen hat, bleibt offen.
Kann mein bestehender EX90 auf 800 Volt umgerüstet werden?
Eine Nachrüstung ist nicht angekündigt. Das Update betrifft die Fahrzeugarchitektur und damit Neufahrzeuge des Modelljahrs 2026/2027.
Wie weit kommt der neue EX90?
Die WLTP-Reichweiten liegen zwischen 559 und 624 Kilometern. Die Batterien haben 92 kWh brutto (90 kWh netto) beziehungsweise 106 kWh brutto (103 kWh netto). Einzelwerte für die jeweiligen Antriebsvarianten liegen noch nicht vollständig vor.