China ruft 4,3 Millionen Autos zurück: Versteckte Türgriffe werden zum Sicherheitsthema
In China müssen rund 4,3 Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt, weil sich die mechanische Notentriegelung der Türen nach einem Unfall schwer finden lässt. Ab 2027 verbietet das Land versteckte Türgriffe bei Neuwagen ganz.

In China werden rund 4,3 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen. Der Grund ist kein Motor, kein Akku und keine Software, sondern eine Türklinke: Fällt nach einem Unfall der Strom aus, lässt sich die mechanische Notentriegelung der Türen nur schwer erkennen. Betroffen sind Fahrzeuge von Tesla ebenso wie von mehreren chinesischen Herstellern. Der Rückruf bezieht sich nach den vorliegenden Angaben auf den chinesischen Markt; für Autobesitzer in Deutschland ändert sich daraus nach unserer Einschätzung vorerst nichts.
Interessant ist die Meldung trotzdem, und zwar für jeden, der beobachtet, wohin sich moderne Fahrzeugtechnik entwickelt. Denn hier korrigiert ein Staat einen Designtrend, den seine eigene Autoindustrie in den vergangenen Jahren mit vorangetrieben hat. Ab 2027 verbietet China versteckte Türgriffe bei Neuwagen durch neue Sicherheitsvorgaben. Versteckt heißt in diesem Zusammenhang: Der Griff fährt im Fahrbetrieb in die Karosserie ein, oder die Tür wird von außen nur noch elektrisch geöffnet. In Europa ist eine vergleichbare Vorgabe bislang nicht beschlossen – dazu weiter unten mehr.
Riesiger Rückruf: Tesla und chinesische Marken betroffen
Der mit Abstand größte Einzelposten entfällt auf Tesla. Rund 2,98 Millionen Fahrzeuge der Modelle Model 3, Model Y, Model S und Model X sind Teil der Aktion. Das ist die Mehrheit der 4,3 Millionen Fahrzeuge, aber nicht alle.

Denn neben Tesla stehen auch Xiaomi, Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox und FAW auf der Liste. Dass gleich mehrere Hersteller betroffen sind, spricht nach unserer Einschätzung dafür, dass es sich nicht um den Fertigungsfehler eines einzelnen Anbieters handelt, sondern um ein Konstruktionsmuster, das mehrere Marken übernommen haben.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Land | China |
| Umfang gesamt | rund 4,3 Millionen Fahrzeuge |
| Davon Tesla | rund 2,98 Millionen (Model 3, Y, S, X) |
| Weitere Marken | Xiaomi, Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox, FAW |
| Auslöser | mechanische Notentriegelung der Türen bei Stromausfall schwer erkennbar |
| Regulatorische Folge | Verbot versteckter Türgriffe bei Neuwagen ab 2027 (kein Stichtag genannt) |
Das Problem: Wenn nach dem Unfall der Strom fehlt
Versteckte Türgriffe fahren im Fahrbetrieb bündig in die Karosserie ein oder entfallen außen ganz. Oft übernimmt dann ein elektrischer Taster das Öffnen, teils fährt der Griff erst bei Annäherung aus. Das sieht aufgeräumt aus und hilft der Aerodynamik – solange Strom fließt.
Fällt die Bordspannung nach einem Unfall aus, bleibt nur die mechanische Notentriegelung im Innenraum. Und genau die ist der Punkt, an dem der Rückruf ansetzt: Sie ist nach Einschätzung der chinesischen Behörden schwer zu erkennen. Wer im Schockzustand im Fahrzeug sitzt oder von außen helfen will, muss den Griff im entscheidenden Moment ohne Suchen finden. Das gilt genauso für Ersthelfer und Rettungskräfte, die es mit einem ihnen unbekannten Modell zu tun haben.
Wie genau nachgebessert wird – die Notentriegelung deutlicher kennzeichnen, Bauteile tauschen oder die Bedienlogik ändern –, ist ebenso offen wie die Frage, welche konkreten Unfälle den Behörden als Auslöser gedient haben. Aus den vorliegenden Angaben geht dazu nichts hervor.
Ab 2027: China verbietet versteckte Türgriffe bei Neuwagen
Der Rückruf ist die eine Hälfte der Nachricht, die Regulierung die andere. Ab 2027 sind versteckte Türgriffe bei Neuwagen in China durch neue Sicherheitsvorgaben untersagt. Ein konkreter Stichtag innerhalb des Jahres 2027 wurde nicht genannt. Damit verschwindet dort ein Gestaltungsmerkmal, das chinesische Hersteller selbst zum Standard gemacht haben.
Für internationale Hersteller hat das praktische Folgen, sobald sie Modelle für den chinesischen Markt entwickeln oder anpassen. Ob sie daraufhin auch ihre Fahrzeuge für andere Märkte umkonstruieren, ist eine offene Frage – Bauteile zweimal zu entwickeln kostet Geld, ein einheitliches Türkonzept über alle Märkte hinweg ist die naheliegende Alternative. Belegt ist das aber nicht; es bleibt eine Vermutung über künftige Firmenentscheidungen.
Europa diskutiert – ohne Termin
In Deutschland und Europa wird über strengere Vorgaben für versteckte Türgriffe gesprochen. Anders als in China gibt es hier bislang jedoch keinen verbindlichen Zeitplan und keine beschlossene Regel. Welche konkreten Anforderungen am Ende stehen könnten – eine Pflicht zur sichtbaren Kennzeichnung, Vorgaben zur Bedienkraft oder ein Verbot bestimmter Bauarten –, ist nach derzeitigem Stand offen.
Realistisch ist damit vor allem eines: Die Debatte läuft, aber sie ist noch nicht entschieden. Wer heute ein Fahrzeug mit versteckten Türgriffen fährt, muss nach derzeitigem Stand weder mit einem Rückruf noch mit einer Nachrüstpflicht rechnen. Ob und wann sich das ändert, hängt an Entscheidungen, die noch nicht gefallen sind.
Was Sie in Ihrem Auto trotzdem wissen sollten
Unabhängig von Rückrufen und Verboten gilt ein alter Rat, den der Fall in Erinnerung ruft: Die Bedienungsanleitung beschreibt, wo sich die mechanische Notentriegelung in Ihrem Fahrzeug befindet – sie kann an anderer Stelle als der gewohnte Innengriff liegen, mitunter gibt es sie auch nur für die vorderen Türen. Diese Information einmal in Ruhe nachzuschlagen, kostet fünf Minuten. Auch Mitfahrer, die regelmäßig hinten sitzen, sollten sie kennen.
Es geht nicht um den Fehler eines Herstellers, sondern um eine Bauart, die mehrere Marken in wenigen Jahren übernommen haben.
Einordnung der AUTOHUB-Redaktion
Offene Punkte
- Wie die Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge technisch umgesetzt wird, ist bislang nicht bekannt.
- Welche konkreten Anforderungen in Deutschland und Europa diskutiert werden, ist offen – ein verbindlicher Zeitplan existiert nicht.
- Ob und in welchem Umfang Modelle außerhalb Chinas von der Aktion berührt sind, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Warum werden in China Millionen Fahrzeuge zurückgerufen?
Weil sich die mechanische Notentriegelung der Türen schwer erkennen lässt, wenn nach einem Unfall der Strom ausfällt. Betroffen sind rund 4,3 Millionen Fahrzeuge.
Welche Marken sind vom Rückruf betroffen?
Tesla mit rund 2,98 Millionen Fahrzeugen der Modelle Model 3, Model Y, Model S und Model X sowie Xiaomi, Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox und FAW.
Wann verbietet China versteckte Türgriffe?
Ab 2027 gelten in China neue Sicherheitsvorgaben, die versteckte Türgriffe bei Neuwagen untersagen. Ein konkreter Stichtag innerhalb des Jahres wurde nicht genannt.
Werden versteckte Türgriffe auch in Europa verboten?
In Deutschland und Europa wird über strengere Vorgaben diskutiert. Ein Beschluss oder ein verbindlicher Zeitplan liegt nach aktuellem Stand nicht vor.
Muss ich als Fahrer eines betroffenen Modells in Deutschland etwas tun?
Nach den vorliegenden Angaben bezieht sich der Rückruf auf den chinesischen Markt. Für Kunden in Deutschland ändert sich daraus nach unserer Einschätzung nichts. Wo sich die Notentriegelung im eigenen Fahrzeug befindet, steht in der Bedienungsanleitung.
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