Mercedes-Benz erhält Testzugang zu ProLogiums Gen4-Batteriezellen
Mercedes-Benz darf die neueste Zellgeneration des taiwanischen Herstellers ProLogium in eigenen und externen Laboren prüfen. Eine Abnahmeverpflichtung enthält die Vereinbarung nicht.

Mercedes-Benz und der Zellhersteller ProLogium haben eine Vereinbarung unterzeichnet, die dem Autohersteller bevorzugten Zugriff auf die vierte Generation der ProLogium-Batteriezellen gibt. Mercedes darf diese Zellen in eigenen und in externen Prüfeinrichtungen elektrisch, thermisch und sicherheitstechnisch untersuchen. Eine feste Kaufgarantie oder eine Verpflichtung zur Serienabnahme steht nicht in dem Papier. Für Kundinnen und Kunden ändert sich damit vorerst nichts.
Was Mercedes-Benz prüfen darf
Die Vereinbarung regelt den bevorzugten Zugang zu Zellen der Generation vier, die ProLogium als „Superfluidized Inorganic Next-Generation Lithium Ceramic Battery“ bezeichnet. Mercedes-Benz kann sie elektrisch vermessen, ihr thermisches Verhalten beobachten und Sicherheitsprüfungen durchführen. Ein Teil davon findet in konzerneigenen Einrichtungen statt, ein Teil bei externen Prüfstellen. Einen Termin für den Beginn oder das Ende dieser Testphase nennen die vorliegenden Angaben nicht.
Die Technik und die angekündigten Werte
Die Batterie zählt zu den teuersten Bauteilen eines Elektroautos und beeinflusst Reichweite, Ladezeit und Gewicht. Technisch setzt ProLogium bei der Gen4-Zelle auf einen rein anorganischen, nach Herstellerangabe nicht brennbaren Elektrolyten und auf keramische Separatoren. Das Ziel solcher Bauweisen ist eine höhere Sicherheitsreserve gegenüber Zellen mit flüssigem, organischem Elektrolyten, die sich unter bestimmten Bedingungen entzünden können. Ob die Zelle nach der strengen Definition als Festkörperbatterie gilt, ist in der Fachwelt umstritten; diskutiert werden für ProLogiums Ansatz auch hybride oder halbfeste Konzepte. Für die Bewertung der Testergebnisse dürfte diese Einordnungsfrage weniger zählen als die Messwerte selbst.
ProLogium nennt für die Gen4-Zelle eine Energiedichte von bis zu 400 Wattstunden pro Kilogramm und eine Ladezeit von 5 auf 80 Prozent in 6,4 Minuten. Beide Angaben stammen vom Hersteller und sind bislang nicht unabhängig bestätigt. Sie beschreiben Zielmarken für die Zelle, nicht für ein fertiges Fahrzeug: In einem Auto kommen Gehäuse, Kühlung, Verkabelung und Steuerelektronik hinzu, die Gewicht kosten und die Ladeleistung begrenzen können. Die Tests sollen zeigen, welche Leistungs- und Sicherheitswerte die Zellen bei unabhängigen Prüfungen erreichen.
| Merkmal | ProLogium Gen4 (Herstellerangabe) | Heute übliche Serienzellen (allgemeine Richtwerte) |
|---|---|---|
| Energiedichte | bis zu 400 Wh/kg | rund 250 bis 300 Wh/kg |
| Ladezeit 5 auf 80 Prozent | 6,4 Minuten | eher 18 bis 30 Minuten |
| Elektrolyt | rein anorganisch, nicht brennbar | meist flüssig und organisch |
| Status | Testphase, unabhängig unbestätigt | in Serie im Einsatz |
Die Werte in der rechten Spalte sind allgemeine Richtwerte für heute verbaute Zellen und schwanken je nach Chemie, Hersteller und Fahrzeug; sie stammen nicht aus den Angaben zur Vereinbarung. Die Herstellerangaben zur Gen4-Zelle liegen deutlich über diesen Vergleichswerten. Ob solche Werte in Serienfahrzeugen erreicht werden, muss sich erst zeigen.
Eine Partnerschaft seit 2016
Neu ist an dieser Meldung der Zugriff auf die Gen4-Zelle, nicht die Zusammenarbeit an sich. Mercedes-Benz und ProLogium arbeiten seit 2016 zusammen. 2022 stieg der Autohersteller als strategischer Investor bei dem Zellhersteller ein. Wie hoch dieses Investment ausfällt und welchen Anteil Mercedes hält, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Ein Investment und ein Testabkommen verpflichten den Hersteller zu deutlich weniger als ein Liefervertrag. Mercedes-Benz hält sich damit die Option offen, die Technologie zu nutzen, ohne sich bei Stückzahlen oder Terminen festzulegen. Welche Rolle ProLogium neben den bestehenden Batteriepartnerschaften und Zellwerken des Konzerns spielen soll, sagt die Vereinbarung nicht.
Andere Hersteller kooperieren ebenfalls mit Zellentwicklern
Kooperationen zwischen Autoherstellern und Entwicklern von Feststoffzellen sind in der Branche seit Jahren bekannt, etwa Toyota mit Idemitsu, BMW mit Solid Power und der Volkswagen-Konzern mit QuantumScape. Diese Beispiele sind allgemeines Hintergrundwissen und stammen nicht aus den Angaben zur Mercedes-Vereinbarung. Für die Einordnung heißt das: Mercedes-Benz wählt eine Form der Zusammenarbeit, die in der Branche verbreitet ist.
Wie häufig aus solchen Testphasen Serienprodukte werden, lässt sich aus den vorliegenden Angaben nicht ableiten. Nach unserer Einschätzung sind angekündigte Zeitpläne für neue Zelltechnik mit Vorsicht zu betrachten, solange keine unabhängig geprüften Ergebnisse vorliegen.
Was offen bleibt
- Wann die Tests der Gen4-Zellen beginnen und wie lange sie dauern sollen
- Ob und in welchen Modellen die Zellen später eingesetzt werden könnten
- Ob es einen Zeitrahmen für eine spätere Abnahmevereinbarung gibt
- Wie hoch das finanzielle Engagement von Mercedes-Benz bei ProLogium ausfällt
- Wer die Leistungswerte unabhängig prüft und ob Ergebnisse veröffentlicht werden
Belastbar ist an dieser Meldung der Vorgang selbst: Ein Hersteller sichert sich frühen Zugang zu einer Zellgeneration und prüft sie. Alles Weitere hängt von Messergebnissen ab, die bislang niemand außerhalb der beteiligten Unternehmen kennt.
Enthält die Vereinbarung eine Kaufgarantie?
Nein. Sie sichert Mercedes-Benz bevorzugten Zugriff auf Testzellen, eine Verpflichtung zur Serienabnahme ist nicht enthalten.
Ist das eine echte Festkörperbatterie?
Das ist in der Fachwelt umstritten. ProLogium beschreibt die Zelle mit einem rein anorganischen Elektrolyten und keramischen Separatoren; diskutiert werden auch hybride oder halbfeste Konzepte.
Wann könnte die Technik in einem Serienfahrzeug eingesetzt werden?
Dazu gibt es keine Angabe. Weder ein Termin für den Testbeginn noch ein Zeitplan für eine mögliche Serienentscheidung ist bekannt.
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